Gedichte/ Glauben

 

 

Spuren im Sand

 

Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer

Entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel

Erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigenen

Und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war,

blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an

vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war.

Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:  „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,

da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.

Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens

Nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie

Allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort wo

Du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

 

(Margaret Fishback Powers)

 

 

In Gottes Hand

 

Wir sind alle in Gottes Hand

Ein jeder Mensch in jedem Land

Wir kommen und wir gehen

Wir singen und wir grüßen

Wir weinen und wir lachen

Wir beten und wir büßen

Gott will uns fröhlich machen

 

Wir alle haben unsre Zeit

Gott hält die Sanduhr stets bereit

Wir blühen und verwelken

Vom Kopf bis zu den Füßen

Wir packen unsre Sachen

Wir beten und wir büßen

Gott will uns leichter machen

 

Wir alle haben unser Los

Und sind getrost auf Gottes Floß

Die Welt entlang gefahren

Auf Meeren und auf Flüssen

Die Starken mit den Schwachen

Zu beten und zu büßen

Gott will uns schöner machen

 

Wir alle bleiben Gottes Kind

Auch wenn wir schon erwachsen sind

Wir werden immer kleiner

Bis wir am Ende wissen

Vom Mund bis zu den Zehen

Wenn wir gen Himmel müssen

Gott will uns heiter sehen.

 

(Gottesdienst am Heiligabend 2001)

 

 

Mein Büchlein vom Beten

 

Du Herr der Zeit!

 

Die Zeit vergeht, sie läuft 1-2-3

Ich kann sie nicht fassen-

Schon ist sie vorbei.

Sie fährt wie ein Zug,  sie geht geschwind.

Ich kann sie nicht sehen,

wenn sie zerrinnt.

 

Schon ist es Abend, im Bett soll ich singen.

Ich höre die Zeit in den Ohren klingen.

Wie ein Zirpen, wie das Lied der Grille.

Die Zeit vergeht, ich höre die Stille.

 

Gott, du hast die Zeit gemacht!

Du hast sie geteilt in Tag und Nacht.

Du hast auch Sommer und Winter erfunden.

Minuten gehören dir und Sekunden.

 

Gott, meine Zeit kommt aus deiner Hand.

Meine Stunden sind dir alle bekannt.

Die Zeit, die ich lache- die Zeit, die ich weine,

die Zeit mit andern, die Zeit alleine.

 

Meine Zeit saust dahin – und der Weg ist weit.

Bleibe bei mit, Gott!

Du Herr der Zeit!

 

(Aus Vanessas Gebetbuch)

 

 

Abendgebet

 

Gott, der du heute mich bewacht,

Beschütze mich auch diese Nacht.

Du sorgst für alle, groß und klein,

drum schlaf ich ohne Sorgen ein.

Amen

 

Guten Abend, mein Gott!

Ich kann dir vom ganzen Tag erzählen.

Du hörst besser zu als alle Menschen!

Ich möchte mit dir einschlafen.

Mit dir habe ich es gut.

Amen

 

(Vanessa hat jeden Abend gebetet, es war ihr wichtig, dass Gott alle Menschen, die ihr nahe standen beschützt.

Sie hat alle Namen abends aufgezählt, die ihr wichtig waren.)